Die gestohlene Zeit

26/06/2019

Kennst du das Buch „Momo - Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte“ von Michael Ende?

 

Vor ein paar Tagen habe ich dieses wundervolle Buch gelesen und war gerührt von dem zauberhaften Märchen, dass auch heute, fast 50 Jahre nach seiner Veröffentlichung noch so viel Aktualität besitzt.

 

 

Momo und die Grauen Herren

 

Momo ist ein kleines Waisenkind, dass am Rande einer großen Stadt in der Ruine eines Amphitheaters lebt. Sie hat viele Freunde – meist arme Leute – die sie unterstützen und die das kleine Mädchen sehr mögen. Momo schenkt ihnen ihre Zeit, hört ihnen aufmerksam und geduldig zu und tut damit allen Menschen gut. Die Kinder der Stadt lieben es, bei ihr zu spielen.

 

Wie in jedem Märchen machen sich jedoch böse Mächte breit und bedrohen das glückliche Leben der Menschen. Die Grauen Herren erscheinen und werden immer zahlreicher – und die Menschen verändern sich.

 

Die Grauen Herren stellen sich als Agenten der Zeitsparkasse vor, und rechnen den Menschen vor, wieviel Zeit sie sparen könnten, wenn sie nutzlose Tätigkeiten aus ihrem Leben streichen.

 

Die Menschen sparen nun ihre Zeit, arbeiten viel schneller und hetzen durch den Tag. Sie gönnen sich keine Pausen und kein Vergnügen. Zwischenmenschliche Beziehungen verkümmern immer mehr.

 

„Das einzige, worauf es im Leben ankommt, ist, dass man es zu etwas bringt, dass man was wird, dass man was hat.“

 

Paradoxerweise sparen die Menschen nun zwar ihre Zeit, haben aber trotzdem immer weniger davon, denn die Zeit wird ihnen von den Grauen Herren gestohlen. Diese Zeitdiebe rauben den Menschen die Lebenszeit und damit auch die Freude am Leben.

 

Alle verdienen nun mehr Geld und können sich zahlreiche Dinge kaufen, doch sie haben keine Zeit mehr füreinander. Das Leben wird immer freudloser und die Menschen immer unglücklicher. Besonders die Kinder leiden darunter und bitten Momo um Hilfe.

 

 

Momo muss nun zahlreiche Abenteuer bestehen – letzten Endes schafft sie es aber natürlich, ihren Freunden zu helfen und die Grauen Herren zu besiegen.

 

Die Menschen finden wieder in ihr altes Leben zurück, in dem Freundschaft und gemeinsame Zeit einen großen Stellenwert haben.

 

„Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.“

 

 

Beim Lesen sind mir mehrere Menschen aus meinem Umfeld eingefallen, die sich häufig darüber beklagen, dass die Zeit so schnell vergehen würde.

 

Die Zeit rennt.

 

Doch es ist keinesfalls die Zeit, die rennt. Wir sind es.

 

Wir rennen und hetzen durch unseren Alltag – Termine hier, Verpflichtungen dort und nehmen unser Leben gar nicht mehr bewusst wahr.

 

„Denn so, wie ihr Augen habt, um das Licht zu sehen, und Ohren, um Klänge zu hören, so habt ihr ein Herz, um damit die Zeit wahrzunehmen. Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben. Aber es gibt leider blinde und taube Herzen, die nichts wahrnehmen, obwohl sie schlagen.“

 

Letzten Endes geht es beim Erleben der Zeit also um Achtsamkeit - das bewusste Wahrnehmen und Gestalten unserer Zeit.

 

Und wie wir es am besten machen – ein Leben in Achtsamkeit - das weiß einer von Momos Freunden, Beppo Straßenkehrer:

 

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.„ […] „Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“ […] „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“ […] „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

 

 

Welche Zeitdiebe hast du, die dich immer wieder davon abhalten, dir Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu nehmen?

 

 

 

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