Das Potential der Unzufriedenheit

20/10/2018

Mehrere Wochen sind vergangen, seit Steve und ich unseren Camper Nils wieder vor unserer Stuttgarter Wohnung eingeparkt haben.

Wir wussten schon vor unserer Rückkehr, dass die Umstellung auf unser „altes“ Leben sicher nicht ganz so einfach wird und die Rückgewöhnung wohl einige Zeit dauern würde.

 

Wie sieht es denn nun tatsächlich aus?

Ich möchte ganz ehrlich sein: im Moment fühle ich mich gar nicht glücklich. Daher fällt es mir auch schwer, mich wieder meinen Glücksbausteinen zu widmen. Stattdessen möchte ich lieber darüber schreiben, dass es in Ordnung ist, sich auch mal mies zu fühlen und dass dieses Gefühl auch so einiges in Bewegung bringen kann.

 

Warum fühle ich mich so?

Wir haben unser Leben wieder in geordnete Bahnen gebracht und genauso eingerichtet, wie es vor unserer Reise war. Schließlich waren wir zufrieden damit.

 

Die Arbeit läuft gut. Wir haben eine schöne Wohnung. Wir haben auch genügend Zeit für Ausflüge in´s Grüne o.ä.

Und trotzdem: kein Glücksgefühl.

 

Etwas ganz Wichtiges möchte ich hier nun festhalten, denn ich denke, Vielen von euch ging es auch schon mal so, wie mir jetzt gerade.

 

Wir haben eigentlich alles, was wir brauchen, und fühlen uns dennoch irgendwie mies.

Aber auch Unzufriedenheit oder Unglücklichsein ist ok. Es gehört einfach zum Leben dazu und lässt uns ja die glücklichen und guten Phasen im Leben erst so richtig wertschätzen. Vor allem gibt uns dieses negative Gefühl tief unten aus dem Bauch heraus, Hinweise darauf, was vielleicht im Moment nicht so ganz rund bei uns läuft.

 

Wichtig ist, dass wir unsere schlechten Gefühle nicht herunterspielen oder vielleicht sogar als „Luxusprobleme“ deklarieren. Damit werten wir unsere eigenen Gefühle deutlich ab. Weil wir kein „richtiges“ Problem haben, wie zum Beispiel einen Jobverlust, finanzielle Probleme oder ein krankes Familienmitglied, steht es uns also gar nicht erst zu, uns mies zu fühlen?

 

 

Nimm dich und deine Gefühle ernst

Ich möchte dafür plädieren, seine eigenen Gefühle und Empfindungen IMMER ernst zu nehmen, denn diese haben meist einen plausiblen Grund: negative Emotionen und Unzufriedenheit weisen uns darauf hin, dass wir irgendetwas in unserem Leben nicht (oder nicht mehr) unseren Werten und Bedürfnissen entsprechend tun.

Und das halte ich keineswegs für ein Luxusproblem!

 

Wichtig ist nun natürlich, dass wir tief in uns hineinhören (oder -fühlen) und ergründen, was die Ursachen sind.

 

Das habe ich die letzten Tage so oft es ging gemacht. Ich habe "hineingehorcht" und dieses miese Gefühl unter die Lupe genommen.

 

Ein paar Erkenntnisse haben sich herauskristallisiert:

 

Zwiespalt im Beruf

Zu mir kommen Tag für Tag Menschen in die Praxis, die in Schule oder Studium Schwierigkeiten haben. Sie schreiben schlechte Noten, können sich nicht motivieren, sind gestresst und unter Druck.

 

Ich möchte ihnen gerne helfen und kenne auch viele nützliche Interventionen aus

Psychologie, Therapie und Buddhismus.

 

Es gibt nur einen entscheidenden Knackpunkt, der mir immer häufiger Bauchschmerzen bereitet: diese Menschen kommen alle zu mir, weil sie der Meinung sind, dass mit ihnen irgendetwas nicht stimmt, sie nicht gut genug sind.

 

Doch ich sehe das ganz anders: diese Menschen sind genau richtig! Das System in dem sie leben, passt nur einfach nicht dazu.

 

Ich versuche nun also, ihnen dabei zu helfen, sich zu verändern, damit sie wieder besser in ein System passen, von dem ich selber gar nicht überzeugt bin.

 

Diese Diskrepanz führt bei mir in letzter Zeit immer häufiger zu Stressempfinden. 

 

Leben in der Stadt

Das Leben in der Stadt ist nach fünf Monaten Natur pur eine echte Herausforderung. Es ist oft laut, die Luft ist alles andere als frisch und meine geliebten Bäume machen sich rar.

 

In unmittelbarer Nähe zu unserer Wohnung befinden sich drei (!) Baustellen, die täglich zu hören sind. Wenn die Bauarbeiter abends fertig sind, werden sie durch unsere polternden Nachbarn abgelöst.

 

An diese Reizüberflutung kann ich mich nur schwer wieder gewöhnen und möchte es eigentlich auch nicht, weil ich mittlerweile weiß, wie ungesund dies alles ist.

 

 

 

Und jetzt kommt das Wichtigste

Jetzt, da ich festgestellt habe, was zu meinem miesen Bauchgefühl beiträgt, muss ich natürlich in Aktion treten.  Erkenntnisse sind gut, werden aber oft überschätzt.

 

Die Erkenntnis allein bringt mich letzten Endes nicht weiter. Wichtig ist, dass ich aus der Erkenntnis etwas lerne und mein Leben entsprechend verändere.

 

In meinem Fall bedeutet das nun, dass wir uns nach einer neuen Wohnung umschauen (Steve sieht das zum Glück auch so wie ich) und dass ich neue Ideen entwickle, wie ich den jungen Menschen, die in meine Praxis kommen, wieder so helfen kann, dass ich dabei mit mir im Reinen bin.

 

Und damit habe ich dieses miese Bauchgefühl in eine neue Herausforderung transformiert. Meine Unzufriedenheit hat mir dabei geholfen zu erkennen, welche Veränderungen in meinem Leben zurzeit nötig sind.

 

Welche Erfahrungen hast du bisher mit Unzufriedenheit gemacht? Konntest du das Gefühl zulassen? Welche Erkenntnisse ergaben sich daraus?

 

 

 

 

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